Kredit ohne Zinsen

Wer sich einmal Geld bei einer Bank geliehen hat, kennt die obligatorischen Zinsen, welche zusätzlich zur reinen Kreditsumme zurückgezahlt werden müssen. Dass es zinslose Kredite gibt erscheint vielen Bankkunden daher erst einmal verwunderlich. Sie werden aber durchaus angeboten. Da die Europäische Zentralbank den Leitzins immer weiter abgesenkt hat, sind inzwischen auch Kredite ohne Zinsen erhältlich.

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Überblick – Was sind zinslose Kredite?

Bisher waren die zinsfreien Kredite vor allem als Marketingmaßnahme der Banken bekannt. Beim Kauf bestimmter Konsumgüter, etwas eines Autos, verzichteten einige Partnerbanken auf die Zinsen und so konnten Händler mit der Null-Prozent-Finanzierung werben. Diese Angebote waren aber auf einen spezifischen Zweck zugeschnitten und es handelte sich nicht um frei verwendbare Kredite.

Inzwischen haben sich aber auch alternative Bankensysteme entwickelt, die bewusst auf Zinsen verzichten. Zudem schwindet der Zins angesichts der Entwicklungen auf dem Finanzmarkt selbst bei klassischen Krediten immer mehr in Richtung der Nullmarke.

Wissenswertes über zinslose Kredite und deren Voraussetzungen

Einige Banken bieten Kleinkredite an, die nicht mit einer Zinszahlung einhergehen. Die Kunden können das Geld damit kostenlos leihen und müssen nur die geliehene Kreditsumme zurückzahlen. Somit fallen keine Kosten für die Nutzung solch eines Kleinkredites an. Diese spezielle Form der Kredite wird meist nur im geringen Rahmen, etwa für Investitionen bis 2000 Euro, vergeben.

Häufig verbergen sich hinter diesen Angeboten für zinslose Kredite Neukundenaktionen. Denn auch Banken verschenken kein Geld und müssen die Kredite, die sie ausgeben, refinanzieren. Viele der Angebote sind an eine genau festgeschriebene Kreditlaufzeit gebunden, etwa über ein Jahr, über zwei Jahr oder über 36 Monate. Zudem ist die Höhe des Kredites genau festgeschrieben.

Kunden können hier meistens nicht zwischen verschiedenen Konditionen wählen, sondern sich nur exakt 1000, 1500 oder 2000 Euro bzw. ähnlich niedrig angesetzte Summen leihen. Damit gehören die Angebote zur Kategorie der Kleinkredite. Zudem wird die Bonität des Kunden vorausgesetzt und anhand der Schufa-Auskunft oder anhand von Informationen anderer Auskunftsdienste geprüft. Alternativ werden Einkommensnachweise oder Bürgen verlangt.

Eine Beispielrechnung für einen zinslosen Kredit

Kredite, bei denen keinen Zinsen anfallen, müssen genauso zurückgezahlt werden wie Kredite mit Zinsen. Der einzige Unterschied besteht darin, dass zusätzlich zur geliehenen Summe, die in Monatsraten zurückgezahlt wird, keine Zinsen angerechnet werden. Wer sich beispielsweise 2000 Euro als zinslosen Kredit leiht und eine Kreditlaufzeit von 36 Monaten vereinbart, der muss jeden Monat 55,56 Euro zurückzahlen. Bei längerer Laufzeit werden die monatlichen Raten kleiner.

Welche Sonderformen / Unterformen gibt es?

  • Konsumfördernde Kredite
  • Im Einzelhandel sind zinslose Kredite weit verbreitet. Hier werben Händler damit, dass Kunden Elektrogeräte, neue Möbel oder Fahrzeuge finanzieren können, ohne dabei Zinsen zahlen zu müssen. Die Angebote bieten etwa 5000 Euro Kreditsumme, die über 36 Monatsraten zurückbezahlt werden und mit einem effektiven Jahreszins von 0,0 Prozent locken. Hierbei besteht eine sogenannte Zweckbindung. Der Kredit wird nicht von einer regulären Bank, sondern von einer Partnerbank des Händlers vergeben, etwa von der Partnerbank eines Autoherstellers. Das Geld darf nicht frei verwendet werden. Es ist spezifisch für die Finanzierung des jeweiligen Fahrzeuges oder Produktes vorgesehen.

  • Religionsbezogene Kredite
  • Zinslose Kredite werden auch von Banken vergeben, die sich nach dem islamischen Rechtssystem richten. Nach Auslegung der islamischen Glaubensregeln, der Scharia, sind Zinsen nicht erlaubt. Diese Banken nehmen keine Zinsen, verlangen aber – um wirtschaftlich arbeiten zu können – Preisaufschläge, Gewinnbeteiligungen an finanzierten Firmen oder Gebühren für die Aufnahme eines Kredites. Alternativ dazu hat sich die Ohne-Zins-Bewegung entwickelt. Diese hat ihren Ursprung in Schweden. Mitglieder der Genossenschaftsbanken sparen gemeinsam Kapital an und leihen sich dieses gegenseitig für die Finanzierung von Projekten. Zinsen fallen dabei nicht an. Die Bank behält lediglich einen kleinen Beitrag der eingezahlten Geldsummen für ihre Verwaltung. Das Konzept solcher Banken ist in Deutschland aber nicht verbreitet und steckt noch in den Kinderschuhen.

  • Rahmenkredite
  • Eine Sonderform der zinslosen Darlehen sind Rahmenkredite. Dies ist eine Art Kreditkonto. Kunden können sich hier bei Bedarf Geld auf das Girokonto überweisen lassen. Wie bei einem Dispositionskredit fallen für den Kunden nur für die wirklich genutzten Beträge auch Zinsen an. Bis zu einer bestimmten Grenze des Rahmenkredits offerieren manche Banken eine zinslose Rückzahlung. Diese kann nur im ersten Jahr oder im gesamten Zeitraum der Kreditnahme gelten.

  • Kredite für Wohnraumförderung
  • Manche Gemeinden vergeben zinslose Kredite an Familien, die sich in der Gemeinde eine Wohnung kaufen möchten. Solche Kredite sind zweckgebunden und nutzen keine privaten Gelder oder von einer Bank angelegte Gelder, sondern vergeben mit dem Kredit öffentliche Mittel. Hintergrund ist die Förderung des Zuzugs in die jeweilige Gemeinde. Die Kosten des zinslosen Kredits werden nachfolgend durch Steuern wieder refinanziert.

unverbindliche Anfrage für zinslose Kredite

Was sind mögliche Fallstricke?

Wer zinslos Kredite nutzen möchte, muss sich auf deren Bedingungen einlassen. Vergeben werden die Kredite entweder zweckgebunden, wenn sie der Finanzierung bestimmter Güter dienen, oder sie werden nur mit spezifischen Laufzeiten und für festgelegte Kreditsummen ausgereicht. Die Neukundenangebote haben das Ziel, neue Kunden zu generieren und diesen auf lange Sicht klassische Kredite mit Zinsen verkaufen zu können.

Banken werden etwa durch Werbung bestrebt sein, dem Kunden Folgekredite anzubieten und diese entsprechend bewerben. Wer häufiger Nullzins-Kredite in Anspruch nimmt, der riskiert, irgendwann den Überblick zu verlieren und die Schulden aus den verschiedenen Krediten nicht mehr zurückzahlen zu können. Dies kann sich dann negativ auf die Einstufung bei der Schufa auswirken.

Einige Banken erheben statt der Zinsen Abschlussgebühren, verlangen den Abschluss einer Restschuldversicherung oder knüpfen die Kreditvergabe an das Eröffnen eines Kontos, eines Bausparvertrages oder den Abschluss weiterer Verträge bei der Bank. Sachgebundene Kredite können zudem nicht für andere Zwecke eingesetzt werden.

Was tun bei schlechter Schufa / Bonität?

Gerade bei der Vergabe von zinslosen Krediten prüfen die Banken die Bonität der Kunden. Dafür fragen die Banken Daten von der Schufa oder anderen Wirtschaftsauskunftsdiensten an. Wenn es in der Schufa negative Einträge gibt, kann die Bank die Gewährung des zinsfreien Kleinkredits verweigern.

Dies gilt für zweckgebundene ebenso wie nicht zweckgebundene Kredite. Kunden, die über eine schlechte Bonität verfügen und daher eine Ablehnung ihres Kredites erhalten, können jemanden für den Kredit bürgen lassen. der Bürge übernimmt dann die Verpflichtung, die Raten bei einem Ausfall des Schuldigen zu übernehmen.

Hinweis:
Als Alternative akzeptieren einige Banken Einkommensnachweise als Belege dafür, dass regelmäßige Einnahmen vorhanden sind, auch wenn der Kunde in der Vergangenheit eine finanzielle Krise erlebt hat und daher über einen negativen Schufaeintrag verfügt. Dies ist vor allem bei Online-Banken oder Online-Kreditangeboten der Fall.

Aktuelle Zahlen und Zinsentwicklungen

Im gesamten Euroraum sind die Zinsen in den vergangenen Jahren gefallen. Deutschland zählt zu den Ländern mit den europaweit niedrigsten Zinsen. 2011 mussten Kunden für einen Kredit im Durchschnitt noch 4,5% Zinsen zahlen. 2012 lagen die Zinsen nur noch bei 4% und 2013 bei 3,5%. Auf diesem Niveau stagnierten die Zinsen 2014, wobei 2015 eine weitere Absenkung der Zinsen zu verzeichnen war. 2016 lagen sie durchschnittlich bei 3%.

Die Zinsentwicklung folgt dabei der fallenden und seit Jahren eher geringen Inflation. Die Europäische Zentralbank bestimmt das Zinsniveau im Euroraum. Sie gibt mit dem Leitzins vor, wie viel Banken selbst an Zinsen zahlen müssen, wenn sie sich bei der Europäischen Zentralbank Geld leihen.

Da die Amerikanische Notenbank nach einer ähnlichen Niedrigzinsphase die Leitzinsen wieder leicht angehoben hat, rechnen Finanzforscher auch in Europa mit einer ähnlichen Entwicklung, die sich aber noch eine Zeit lang hinziehen könnte.

Es wird davon ausgegangen, dass die Zinsen der Europäischen Zentralbank noch weitere Monate bis Jahre auf dem niedrigen Niveau bleiben und dann sehr leicht angehoben werden, um in den kommenden Jahren schrittweise zu steigen. Dies gilt insbesondere deswegen als wahrscheinlich, da ein weiteres Absinken der Leitzinsen kaum noch möglich ist und das Absenken auch nicht den gewünschten Effekt der allgemeinen Intensivierung des Wirtschaftslebens hatte.

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