Ratgeber für Azubis – Ausbildung finanzieren – Möglichkeiten

Nach dem Schulabschluss gibt es viele Möglichkeiten für die weitere berufliche Laufbahn. Studium, Bundeswehr, ein Freiwilliges Soziales Jahr oder eine Ausbildung? Entscheidet man sich für einen Beruf und die Aufnahme einer Ausbildung, gibt es im Vorfeld einiges zu beachten. Vor Beginn einer Ausbildung sollte genau geklärt werden, wie die Lebensumstände sind.

Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten? Wo wohnt man, und was muss für Miete, Fahrtkosten und Verpflegung berechnet werden? Gibt es weitere Ausgaben, wo könnte eventuell gespart werden, und welche Möglichkeiten zur Finanzierung seiner Ausbildung hat ein Azubi überhaupt? Eine Ausbildungsvergütung reicht jedenfalls in den wenigsten Fällen aus, um alle Lebenshaltungskosten zu decken.

Im folgenden Text haben wir Informationen und Tipps gesammelt über verschiedene Möglichkeiten, eine Ausbildung zu finanzieren.

Ausgaben gering halten

Lehrjahre sind keine Herrenjahre – dieser Spruch ist alt und abgedroschen aber wahr. Wer sich in der Ausbildung befindet, muss während dieser Zeit vor allem eines: Lernen. Je geringer die Lebenshaltungskosten sind, desto einfacher ist es, mit der Ausbildungsvergütung hinzukommen.

Hinweis:
Ein wesentlicher Kostenfaktor ist immer die Miete. Glück hat, wer in Zeiten der explodierenden Mietpreise und Gentrifizierung noch bei den Eltern wohnt oder in einer anderen preisgünstigen Unterkunft. Das kann beispielsweise ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft oder einem Wohnheim sein. Neben einer günstigeren Miete spielt hier auch das soziale Miteinander eine Rolle. Nicht jeder möchte nach dem Auszug aus dem Elternhaus gleich alleine wohnen.

Listen anfertigen

Eine Liste für die Ausgaben

Eine Liste hilft, sich einen Überblick zu verschaffen. Alle Ausgaben sollten notiert werden, beispielsweise Miete, Strom- und Heizkosten, Fahrtkosten, Geld für Verpflegung und Kleidung, Telefonanbieter, Hobbys …

Und eine für die Einnahmen

Diese Liste stellt alle Einnahmequellen dar, beispielsweise die Ausbildungsvergütung, Kindergeld, Einnahmen durch einen Nebenjob oder Zuschüsse von Verwandten.

Info:
Vergleicht man beide Listen miteinander, sieht man gleich, welchen Betrag man durch Zuschüsse abdecken muss. Es wäre natürlich wünschenswert, wenn der Hauptteil der Lebenshaltungskosten durch die Ausbildungsvergütung abgedeckt wird. Zuerst einmal kann man auch versuchen, die Kosten zu senken.

Wie können Kosten gespart werden?

Stellt man fest, dass die Ausbildungsvergütung nicht ausreicht, sollte überlegt werden, wie Kosten reduzieren werden können. Ein Preisvergleich von Stromanbietern und Handytarifen bietet sich an. Vielleicht gibt es vergünstigte Mitgliedsbeiträge für Azubis im Sportverein oder ermäßigte Fahrkarten für öffentliche Verkehrsmittel? Berufskleidung kann in manchen Fällen vom Betrieb gestellt werden, nicht immer muss man sie sich selbst kaufen.

Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es?

Manch ein Azubi kann sich vielleicht durch seine Eltern oder andere wohlwollende Verwandtschaft unterstützen lassen. Wer dieses Glück nicht hat, muss dennoch nicht auf eine Ausbildung verzichten, sondern hat durchaus die Möglichkeit, verschiedene Förderangebote wahrzunehmen. Im Folgenden stellen wir einige Finanzierungsmöglichkeiten vor.

Wohngeld

Zusätzlich zur Ausbildungsvergütung kann Wohngeld beantragt werden. Der Antrag muss bei der zuständigen Wohngeldstelle der Gemeinde oder Stadt gestellt werden. Das Wohngeld wird nur unter bestimmten Voraussetzungen bewilligt.

Für Auszubildende gilt, dass sie nur Wohngeld erhalten, wenn sie nicht durch die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) oder BAFöG gefördert werden. Auch die Höhe des Einkommens sowie Mitglieder, die mit im Haushalt wohnen, sind dafür entscheidend, ob man Wohngeld erhält oder nicht. Grundsätzlich kann jeder Mensch mit geringem Einkommen Wohngeld beantragen.

Info:
Die Wohngeldstelle des zuständigen Bezirksamtes prüft den Antrag und entscheidet, ob und wie viel Wohngeld der Antragsteller erhält. Formulare erhält man beim Bezirksamt oder auch online.

Kindergeld

Bis zum Alter von 25 Jahren erhält man Kindergeld, solange man sich in einer schulischen oder beruflichen Ausbildung befindet. Wichtig hierbei ist, dass die Ausbildung zielführend für die Ausübung des späteren Berufs ist. Auch in Überbrückungsphasen kann das Kindergeld zwischen dem 18. Und 15. Lebensjahr gezahlt werden, beispielsweise in der Zeit zwischen Beendigung der Schule und dem Beginn einer Ausbildung.

Etwa 190 Euro monatlich können schon einen Teil der Lebenshaltungskosten decken.

Schüler BAföG

Schüler BAFöG kann beantragt werden, wenn ein schulischer Abschluss erlangt oder eine schulische Berufsausbildung absolviert wird, und man nicht bei den Eltern wohnt. Der Besuch folgender Schulformen wird durch das Schüler BAFöG gefördert: weiterführende allgemeinbildende Schulen (Haupt-, Realschule, Gymnasium), Berufsfachschulen, Fach- und Fachoberschulklassen, Berufsfachschulen und Fachschulen mit berufsqualifizierendem Abschluss, Abendschulen mit allgemeinbildendem Abschluss.

Für eine duale Ausbildung, also eine betriebliche oder überbetriebliche Ausbildung, die mit dem Besuch einer Berufsschule verbunden ist, kann kein Schüler BAFöG beantragt werden.

Es hängt auch von weiteren Faktoren ab, ob man Schüler BAFöG erhält oder nicht:
Führt man bereits einen eigenen Haushalt, ist verheiratet oder kann nicht mehr bei den Eltern wohnen, weil die Ausbildungsstätte zu weit entfernt ist, ist man durchaus BAFöG berechtigt.

Im Gegensatz zum Studien BAFöG muss diese Art der Förderung nicht zurückgezahlt werden. Das BAFöG Amt ist zuständig für die Beantragung, Formulare sind in den Geschäftsstellen sowie online erhältlich.

Berufsausbildungsbeihilfe (BAB)

Gefördert werden Auszubildende, die eine betriebliche oder außerbetriebliche Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf absolvieren und währenddessen nicht mehr bei den Eltern wohnen können, da das Elternhaus zu weit von der Ausbildungsstätte entfernt ist.

Berufsausbildungsbeihilfe kann außerdem beantragen, wer eine betriebliche oder außerbetriebliche Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf macht und älter als 18 Jahre ist, verheiratet ist oder sich in einer Lebenspartnerschaft befindet, oder wer mindestens ein Kind hat – auch wenn er in unmittelbarer Nähe zum Elternhaus wohnt.

Wer eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (bvB) besucht, auch in Verbindung mit der Vorbereitung auf den nachträglichen Erwerb des Hauptschulabschlusses oder eines gleichwertigen Schulabschlusses, kann ebenfalls durch die BAB gefördert werden.

Wichtig:
Nicht gefördert wird eine Zweitausbildung sowie eine schulische Berufsausbildung, beispielsweise der Besuch einer Schule für Physiotherapie.

Berufsausbildungsbeihilfe kann bei der Agentur für Arbeit beantragt werden. Die Formulare sind online erhältlich. Es gibt auch einen Berufsausbildungsbeihilfe-Rechner, mit dem man online berechnen kann, ob und wie viel Förderung man erhält.

Stipendien

Wer in seiner Ausbildung besonders gute Leistungen erbringt, hat die Möglichkeit, über ein Stipendium gefördert zu werden. Es gibt verschiedene Stipendien, für die man sich bewerben kann. Mit welchem Betrag jemand gefördert wird, hängt von der Art des Stipendiums ab.

Es gibt eine Datenbank für Stipendien, den sogenannten Stipendienlotsen. Hier können Interessierte sich informieren, und Stipendiengeber können ihre Förderungsmöglichkeiten eintragen. Der Stipendienlotse wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung erstellt.

Kann man als Azubi einen Kredit aufnehmen?

Wer seinen Finanzbedarf weder durch die Ausbildungsvergütung, durch Unterstützung der Eltern noch durch eine der staatlichen Fördermöglichkeiten decken kann, hat die Möglichkeit, einen Kredit aufzunehmen. Viele Menschen schrecken davor zurück, sich schon in jungen Jahren zu verschulden. Das ist sehr verständlich.

Hinweis:
Nicht jede Bank verliebt einfach so einen Kredit. Man muss Sicherheiten vorweisen können. Und die hat man als Auszubildender in der Regel nicht. Bei einem normalen Kredit bei der Hausbank können die Eltern als Bürgen eintreten, wenn sie über ausreichende Sicherheiten verfügen.

Es gibt außerdem spezielle Kredite zu günstigen Konditionen für junge Menschen, die sich in der Ausbildung befinden.
Der sogenannte Bildungskredit der KfW beispielsweise wird nach erfolgreich absolvierter Ausbildung zu einem günstigen Zinssatz zurückgezahlt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Darlehen ist die Vergabe von Bildungskrediten nicht einkommensabhängig

Doch Vorsicht:
Wer – aus welchem Grund auch immer – seine Ausbildung nicht beendet und ohne Abschluss dasteht, ist genauso verschuldet und muss den Kredit zurückzahlen. Ein Kredit ist eben ein Kredit.

Gibt es Möglichkeiten, die Ausbildungskosten von der Steuer abzusetzen?

Wie meistens, wenn es um das Thema Steuer geht, ist es auch bei der Ausbildungsfinanzierung etwas kompliziert. Wird die Ausbildung von den Eltern bezahlt, kann sie nicht von der Steuer abgesetzt werden.

Ausbildungskosten können nur vom Auszubildenden selber steuerlich abgesetzt werden. Und um überhaupt Steuern zahlen zu müssen, muss das Einkommen hoch genug sein.

Eine Möglichkeit, Ausbildungskosten beim Finanzamt geltend zu machen ist es, von den Eltern „nur“ den Unterhalt zu beziehen, dieser kann nämlich frei verwendet werden (also auch für Ausbildungskosten), und die Kosten für die Ausbildung offiziell selbst zu tragen (zum Beispiel durch die Ausbildungsvergütung).

Hinweis:
Kommt der Auszubildende selbst für seine Ausbildung auf und verdient so viel, dass er steuerpflichtig ist, kann er Ausbildungskosten bis zur Höhe von 6000€ pro Jahr als Sonderausgaben von der Steuer absetzen.

Möglichkeiten, als Azubi Geld zu verdienen

Natürlich besteht neben der Ausbildung die Möglichkeit, etwas Geld hinzu zu verdienen. Wer einen Nebenjob sucht, und Lust dazu hat, wird sicher in der Gastronomie fündig. Ob als Kellner, Barkeeper, Küchenhilfe oder Eisverkäufer – einen Job in der Gastronomie findet man eigentlich immer. Auch in anderen Bereichen gibt es viele Nebenjobs für Azubis. Man kann Rasen mähen, Zeitungen austragen, Einkäufe für ältere Menschen erledigen, Pizza ausliefern …

Hinweis:
Egal, welchen Job man sich sucht, man sollte immer daran denken, dass die Ausbildung Vorrang hat. Also nur einen Nebenjob annehmen, dessen Arbeitszeiten das Lernen und den Gang zur Ausbildungsstätte nicht behindern. Ist man nämlich total übermüdet vom vielen Arbeiten im Nebenjob, hat man kaum Energie zum Lernen und gefährdet den Abschluss der Ausbildung.

Wo kann man sich Hilfe holen?

Informationen zur Berufsausbildungsbeihilfe kann man über die Bundesagentur für Arbeit erhalten. Bei Interesse an einem zinsgünstigen Bildungskredit informiert sich die Kfw Bankengruppe. Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung stellt Informationen bereit. Hier kann man sich beispielsweise über alles Wissenswerte zum Thema Stipendium informieren.

Zum Thema BAFöG informiert und berät das zuständige BAFöG Amt. Weitere Informationen erhält man über das Amt für Ausbildung am Wohnort.

Info:
Wer es lieber unbürokratischer und persönlicher mag, kann sich bei verschiedenen Onlineportalen über Möglichkeiten zur Ausbildungsfinanzierung informieren. Auch bieten manche Jugendzentren oder Vereine ein persönliches Beratungsangebot an.