Ratgeber für Stipendien – worauf achten

Ein klassisches Stipendium ist oft die einfachste Möglichkeit, das eigene Studium zu finanzieren: Anders als bei BAföG oder einem Studienkredit muss man am Ende die finanziellen Hilfen nicht zurückzahlen. Außerdem kann man oft auch von zusätzlichen Förderangeboten wie Beratungen, Mentoring oder Workshops profitieren.

Inhaltsverzeichnis:

Dabei gilt schon lange nicht mehr, dass ein Stipendium nur bei einem „Einserabi“ vergeben wird. Viele Stiftungen vergeben gezielt auch Stipendien für besonderes ehrenamtliches Engagement oder benachteiligte Studierende. Es lohnt sich deshalb für alle Studierende, sich über Stipendien zu informieren.

Welche Arten von Stipendien gibt es?

Es gibt verschiedene Arten von Stipendien. Einige Stipendien sind rein finanziell. Hier erhalten Studierende monatlich oder jährlich eine gewisse Summe, die ihnen helfen soll, sich ganz auf ihre Leistungen im Studium konzentrieren zu können, ohne zusätzlich Zeit und Energie in einen Nebenjob zu stecken.

Art der Förderung

Viele Stipendien kombinieren eine finanzielle und ideelle Förderung wie etwa die staatlichen Begabtenförderwerke. In der ideellen Förderung erhalten Studierende neben der finanziellen Unterstützung die Möglichkeit, an Workshops, Seminaren, Summerschools, Mentoringprogrammen etc. teilzunehmen, um dadurch ihre Fähigkeiten zu erweitern, Kompetenzen außerhalb des Studiums zu erlangen und sich interdisziplinär weiterzubilden. Außerdem gibt es bei vielen Stipendien die Möglichkeit einer individuellen Beratung je nach Lebenslage. Andere Möglichkeiten sind Alumni-Programme, mit deren Hilfe man Kontakte in verschiedenen Branchen kann, um den eigenen Berufseinstieg zu erleichtern.

Hinweis:
Andere Stipendien konzentrieren sich rein auf diese Art der Förderung und bieten Studierenden zusätzliche Möglichkeiten, sich kostenlos weiterzubilden und so für ihr Studium und ihre spätere Karriere zu profitieren.

Zweckgebundene Leistungen

Des Weiteren gibt es auch Stipendien, die sich mehr auf „Sachleistungen“ oder zweckgebundene Zahlungen konzentrieren. Solche Stipendien übernehmen beispielsweise die Studiengebühren für private Hochschulen, zahlen Aufwandsentschädigungen für Praktika, ermöglichen Abschlussarbeiten im größeren Rahmen (etwa aufwendige Studien), finanzieren Exkursionen und Besuche bei Kongressen oder gar ganze Auslandssemester und Forschungsaufenthalte.

Spezielle Stipendien

Spezielle Stipendien gibt es auch für Studierende, die sich im Rahmen ihres Studiums künstlerisch betätigen. Hier werden dann beispielsweise Materialkosten, Mieten für Ateliers, Probenräume und Studios, Kulturprojekte, Reisen und so weiter übernommen.

Info:
Ähnlich funktionieren Sport-Stipendien, die an Studierende mit besonderen sportlichen Leistungen vergeben werden. Diese Stipendien decken die Kosten für Sportmaterialien und -ausrüstung, aber auch für Trainingslager und Fahrten zu Wettkämpfen.

Schließlich gibt es auch besondere Stipendien für Studierende mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen. Diese Stipendien können dazu verwendet werden, Pflege- und Rehamaßnahmen zu bezahlen und Hilfsmittel für das Studium zu finanzieren. Bei vielen dieser Stipendien ist das vorherrschende Ziel, den Studierenden trotz ihrer Einschränkungen dasselbe Studium wie anderen Studierenden möglich zu machen, etwa durch Begleitpersonen auf Exkursionen oder zusätzliche Hilfe im Studienalltag.

Gründe für ein Stipendium

Welches Stipendium letztlich für einen sinnvoll ist, hängt ganz von der individuellen Situation ab. Für viele Studierende ist es bereits eine Erleichterung, wenn mit dem Stipendium die Kosten für teure Materialien übernommen werden. Andere sind im Rahmen ihres Studiums dazu verpflichtet, einen Auslandsaufenthalt zu absolvieren und brauchen ein Stipendium, dass sie dabei unterstützt.

Hinweis:
Wieder andere können von ihren Eltern nicht oder nicht ausreichend finanziell unterstützt werden und sind somit auf ein Stipendium mit regelmäßigen Zahlungen zur Unterstützung des Lebensunterhalts angewiesen, damit sie sich ganz auf ihr Studium konzentrieren können und nicht zusätzlich arbeiten müssen.

Wer vergibt Stipendien?

Bei Stipendien muss man zunächst zwischen staatlichen und privaten Stipendien unterscheiden. Der Staat unterstützt mittlerweile dreizehn sogenannte Begabtenförderwerke. Diese Werke haben es zum Ziel, eine möglichst vielfältige Gruppe von Studierenden zu unterstützen, damit die Gesellschaft letztlich von deren Ideen und Engagement wieder profitieren kann.

Gut zu wissen:
Deshalb haben die Begabtenförderwerke des Staats auch unterschiedliche Schwerpunkte: Einige von ihnen sind religiös geprägt, andere stehen der Wirtschaft oder politischen Parteien da. Als gänzlich neutrales Werk wurde die Studienstiftung eingeführt, die auch zu den größten Begabtenförderwerken gehört.

Das Deutschlandstipendium

Ein besonderes Stipendium ist das Deutschland-Stipendium. Dieses wird zur Hälfte von der Universität gezahlt. Die andere Hälfte zahlt ein privates Unternehmen oder ein Stifter.

Viele Universitäten haben ebenfalls eigene Stipendienprogramme. Mit diesen Programmen werden oft besonders gute Studierende in einzelnen Studienfächern gefördert. Stifter geben den Hochschulen und Instituten dazu oft Gelder in die Hand, die gezielt zur Förderung Studierender einzelner Fachrichtungen wie etwa Musik oder Naturwissenschaften eingesetzt werden sollen.

Private Stipendien

Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche private Stipendien und Stiftungen. Diese sprechen oft sehr spezielle Studierendengruppen an. Dazu gehören beispielsweise spezielle Stipendien für einzelne Fachrichtungen wie etwa Künstler oder Kulturschaffende, Sportler oder Naturwissenschaftler. Aber auch Studierende in speziellen Lebenslagen wie etwa Waisen, Witwen, Alleinerziehende, chronisch Kranke und Behinderte werden von kleineren Stiftungen unterstützt.

Hinweis:
Gerade bei kleineren Stiftungen steht oft nicht nur die Leistung, sondern auch die persönliche Situation im Vordergrund. Wenn man ein Stipendium sucht, sollte man deshalb viel Zeit in die Recherche stecken, da man so oft auch kleinere Stipendien findet, die genau zur persönlichen Situation passen.

Wer sind die großen Stiftungen?

Zu den großen Stiftungen gehören natürlich zunächst die dreizehn Begabtenförderwerke des Bundes. Ganz vorn dabei ist vor allem die Studienstiftung, die mittlerweile fast 14.000 Studierende mit einem Stipendium unterstützt. Es gibt jedoch noch weitere große Stiftungen. So fördert die Otto Benecke Stiftung gezielt Flüchtlinge und Asylbewerber und hilft ihnen, ein Studium in Deutschland zu beginnen oder fortzusetzen.

Die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung fördert Studierende, die durch eine Ausbildung oder ähnliches bereits Berufserfahrung haben, bei ihrem Erststudium. Die Stiftung Absolventa unterstützt ebenfalls Studierende mit Stipendien, diese werden dabei demokratisch vergeben.

Studien-Stipendien und Ausbildungs-Stipendien

Im Rahmen der Stipendiensuche muss man zwischen Studien-Stipendien und Ausbildungs-Stipendien unterscheiden. So fördern Studien-Stipendien ausschließlich das Studium an einer Hochschule. Viele Stiftungen fordern deshalb regelmäßig eine Immatrikulationsbescheinigung an, um sicherzustellen, dass die Empfänger des Stipendiums noch berechtigt dazu sind.

Förderung von Auszubildenden ohne Gehalt

Ausbildungsstipendien können etwas weiter gefasst werden. So gibt es beispielsweise tatsächlich Stipendien, die an Auszubildende vergeben werden. Davon gibt es allerdings nur relativ wenige, da Auszubildende in vielen Fällen ja bereits ein Gehalt bekommen. Stipendien für Ausbildungen werden oft als Anreiz gesetzt, damit sich Auszubildende für sehr seltene Ausbildungen entscheiden. Andere Stiftungen haben es sich zum Ziel gesetzt, junge Menschen generell bis ans Ende ihrer Ausbildung zu fördern.

Hinweis:
Dahinter muss nicht unbedingt der klassische Bildungsweg wie bei einem Studium stecken. Viele Ausbildungsstipendien fassen ihren Rahmen aber auch deshalb weiter, um die Studierenden bei mehr als nur ihrem Studium zu unterstützen. Diesen Stiftungen ist es wichtig, den Studierenden zusätzliche Kenntnisse und Fähigkeiten mitzugeben, von denen man möglicherweise im späteren Berufsleben profitieren kann. Sie fördern deshalb oft zusätzlich die Besuche von Kongressen, Bildungsreisen und Weiterbildungen wie etwa die Psychotherapeutenausbildung.

Was muss man bei der Bewerbung für ein Stipendium beachten?

Lebenslauf

Jedes Stipendium hat im Speziellen seine eigenen Vorgaben für die Bewerbung, allerdings haben viele Stipendien ähnliche Anforderungen. Die meisten Stipendien verlangen einen Lebenslauf der Bewerber*innen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Neben dem bisherigen Werdegang in Bezug auf die Ausbildung interessieren sich die Stipendien auch für das weitere Engagement, eventuelle Preise und Auszeichnungen sowie die persönlichen Interessen.

Zeugnisse

Zusätzlich wollen die meisten Stipendien Zeugnisse oder andere Nachweise über die persönliche Leistung, außerdem können Praktikumszeugnisse und andere Zertifikate eingereicht werden. Ebenfalls beliebt sind Gutachten von Dritten, etwa von Lehrer*innen und Hochschullehrer*innen.

Hinweis:
Mit diesen Gutachten informieren sich die Stipendien über die Leistungen der Bewerber*innen in Schule, Hochschule und/oder dem ehrenamtlichen Engagement.

Motivationsschreiben

Des Weiteren verlangen viele Stipendien ein persönliches Motivationsschreiben der Bewerber*innen. Darin sollen die Bewerber*innen entweder dazu Stellung nehmen, warum sie ausgerechnet für dieses Stipendium geeignet sind oder weshalb sie sich für ihr Studium entschieden haben. Da diese Motivationsschreiben oft auch als Aufhänger für spätere Auswahlgespräche genutzt werden, ist es hier der persönliche Bezug besonders wichtig.

Allgemeine Anforderungen

Alles in allem gelten natürlich die üblichen Anforderungen wie bei jeder Bewerbung. In den Bewerbungsunterlagen sollten sich keine Rechtschreib- oder Grammatikfehler befinden, die Dokumente sollten schlicht formatiert werden. Falls Fotos angefordert werden, sollten offizielle Bewerbungsfotos verwendet werden.

Vor der Bewerbung sollte man sich außerdem im Klaren darüber sein, ob das Stipendium auch mit Verpflichtungen eingeht und ob diese mit dem eigenen Leben vereinbar sind. Einige Stipendien verpflichten ihre Stipendiat*innen zum Besuch bestimmter Veranstaltungen oder dazu, Werbung für das eigene Stipendium zu machen.

Info:
Wieder andere Stipendien finanzieren sich dadurch, dass ehemalige Stipendiat*innen einen Teil ihrer späteren Einkünfte abgeben. Einige Stiftungen nehmen Stipendiat*innen auch nur unter Vorbehalt auf. Diese Stipendiat*innen müssen dann regelmäßig nachweisen, dass ihre Leistungen immer noch so gut sind, dass sie zum Empfang des Stipendiums berechtigt sind.

Was sollte man noch beachten?

Generell sollte man bei der Bewerbung für ein Stipendium darauf achten, dass man alle Anforderungen an das Stipendium erfüllt und die Ausrichtung des Stipendienwerks zu einem passt. Zwar ist es durchaus möglich und sinnvoll, sich für mehrere Stipendien zu bewerben. Allerdings ergibt es beispielsweise wenig Sinn, sich sowohl für bei den politischen Stiftungen der staatlichen Begabtenförderwerke zu bewerben, die dem rechten und linken Spektrum angehören.

Die Begabtenförderwerke suchen zwar durchaus Studierende, die ein breites Meinungsspektrum vertreten, jedoch sind die zusätzlichen Workshops, Seminare etc. durchaus auf ein bestimmtes Publikum ausgerichtet. Wenn man sich für verschiedene Stipendien bewirbt, kann man als Ausgangspunkt durchaus dieselben Bewerbungsunterlagen nehmen, sollte diese jedoch je nach der Ausrichtung der Stipendien anpassen.

Info:
Nicht bei allen Stipendien kann man sich jedoch selbst bewerben. Beispielsweise bei der Studienstiftung wird ein Vorschlag durch die eigene Schule oder Hochschule bevorzugt. Hat man ein interessantes Stipendium gefunden, für das man jedoch nur durch Externe vorgeschlagen werden kann, sollte man sich informieren, ob die eigene Schule oder Hochschule sich über diese Möglichkeit bewusst ist.

Nach einer ersten Bewerber*innenauswahl durch die Bewerbungsunterlagen erfolgt bei den meisten Stipendien eine weitere Auswahl durch ein Bewerbungsgespräch. Diese finden oft zu festen Terminen statt und sind verpflichtend. Weiß man also schon im Vorhinein, dass eine Teilnahme an den Bewerbungsgesprächen aufgrund anderer Termine nicht möglich ist, sollte man sich überlegen, ob eine Bewerbung zu einem späteren Termin sinnvoller ist.

Hinweis:
Bei den Bewerbungsgesprächen möchte man sich natürlich nur von seiner besten Seite zeigen. Viele Auswähler schätzen jedoch auch Authentizität und Ehrlichkeit, manchmal sogar mehr als eine professionelle, aber künstliche Art.

Stipendium für Auslandsstudium

Viele Studiengänge verlangen mittlerweile ein Auslandssemester, aber für viele Studierende ist es auch einfach nur eine sehr bereichernde Erfahrung, sei es professionell oder privat. Doch Auslandssemester sind oft noch teurer als das Studium zuhause, bedenkt man, dass im Ausland oft noch Studiengebühren anfallen und man zudem teure Flüge zahlen muss und Kost und Logis im Ausland oft teurer sind.

Gut zu wissen:
Zunächst sei darauf hingewiesen, dass die Stipendien der Begabtenförderwerke des Bunds auch Auslandsaufenthalte fördern – die Studiengebühren werden zum Teil bezahlt und man erhält Pauschalen für den Flug und Lebensunterhalt.

Das Erasmus+-Programm

Ein sehr bekanntes Stipendienprogramm für Auslandsaufenthalte ist das Erasmus+-Programm. Dieses ist mittlerweile an den meisten Hochschulen möglich. Studierende können mit dem Erasmus+-Programm ein Auslandssemester an einer europäischen Hochschule absolvieren. Ihnen werden dafür die Studiengebühren erlassen und sie erhalten finanzielle Zuschüsse.

An den meisten Universitäten, die am Erasmus+-Programm teilnehmen gibt es außerdem weitreichende Unterstützungsmaßnahmen zur Suche einer Wohnung, Erweiterung der Sprachkenntnisse und Einfindung vor Ort. Außerdem erleichtert das Erasmus+-Programm die Anrechnung von Studienleistungen.

Das DAAD Stipendium

Außerdem ist es möglich, mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) ins Ausland zu gehen. Mit einem DAAD-Stipendium erhalten Studierende monatliche Zuschüsse und ihre Reisekosten für das Auslandssemester werden übernommen.

Hinweis:
Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Stipendien, die sich an spezielle Gruppen von Studierenden richten, wie etwa eine spezielle Fachrichtung, Hochschulangehörigkeit oder andere Eigenschaften. Hier lohnt es sich wieder einmal, genau zu recherchieren, um das passende Stipendium für sich zu finden.

Fazit

Alles in allem lässt sich sagen, dass sich eine Bewerbung bei einem Stipendium immer lohnt. Auch wenn man natürlich nicht für jede Bewerbung eine Zusage bekommt, gibt es doch deutlich mehr Stipendien, als man auf den ersten Blick sieht, sodass für fast jeden das passsende Stipendium existiert. Viele Stipendien haben eher das Problem von zu wenig als zu vielen Bewerber*innen.

Da die meisten Bewerbungen bei Stipendien nichts kosten, hat man deshalb nur bei einer Bewerbung nichts zu verlieren, sondern hat dafür eine große Chance mit einem Stipendium zu „gewinnen“.

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